
STADTVILLA UNTERNEUSTADT
KASSEL
Die Chance, zum ausgehenden Jahrtausend eine kleine, zerstörte Stadt nach heutiger Planungsideologie wieder aufzubauen, ist in der Bundesrepublik sicher einmalig. Die Stadt Kassel hat den mutigen Schritt gewählt und ist dabei der Idee der "kritischen Rekonstruktion" gefolgt.
Das zu beplanende Areal liegt dicht vor dem Kernbereich der historischen Unterneustadt und hatte auch vor der Zerstorung in seiner baulichen Pragung eher einen Villencharakter. Es erscheint daher auch heute noch schliissig, das durch Drahtbriicke, Bootshauser und Haus Sternstrasse 19 gepragte Ensemble mit dem Typus der "Villa" neu zu interpretieren.
Die hier vorgestellte Villa ist komplett in Naturstein verkleidet. Der monolithisch wirkende Steinkubus erfährt seine Bearbeitung Uber das Prinzip der "Addition und Subtraktion".
Unterstitzt wird diese Idee in der wechselnden Oberflächenbearbeitung des Natursteins. Sie wechselt ihre Oberfläche von einem feinen Schliff (C220) zu einer sandgestrahlten Oberfläche an Stellen, an denen der Kubus sein Volumen verliert oder, wie im Erdgeschoßbereich, Volumen über die Außenfläche verspringen.
Die Fassade ist in gleichen Plattengroßen aufgeteilt und um je eine halbe Plattenbreite versetzt. Um die Klarheit der Entwurfsidee zu unterstützen, wurden alle Fassadendetails so entwickelt, daß andere Materialien, wie Fensterprofile, Dachkantteile, Attikaabdeckungen etc. selbst aus Naturstein bestehen.
Der Serpentino wurde auch im Eingangsbereich und Treppenhaus als Wandverkleidung und Treppenbelag eingesetzt. Selbst als Raumbegrenzung im Gartenbereich wurde dieser wunderbare Stein verwendet.

LEISTUNG: Wettbewerb 1. Preis LP 1-9
BAUHERR: Privat
FERTIGSTELLUNG: 1997
